11.März
 
 
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Hainichwanderer

Schnappschuß der Woche
Hainichwanderer
Ritters Kreuz - Straßenansicht
 
Ritters Kreuz im Mihlaer Tal
 
erzählt die Rückseite die Wahrheit?
junge Maiden?


Ritters Kreuz, Kreuz am Rande des Waldweges von Mihla nach Kammerforst, ca. 300m nach Beginn des steilen Anstiegs auf Mihlaer Seite. Im Sommer durch Brennesseln überwuchert, gegenüber Märzenbechervorkommen. Die Inschrift weist einen Wegeunfall aus.
 
Oder war es ganz anders ...?
 
Vor langer, langer Zeit, als Drachentöter noch ein Beruf war, nahm gegen Ende des Winters ein finster aussehender einsamer Reiter den Weg durch den Hainich. Plötzlich hub ein furchtbares Getöse und Stürmen an. Bedenklich knarrten die windgepeitschten kahlen Äste. Schon hatte der Reiter fast das "Hühnerloch" genannte Tal erreicht, als über ihm ein Krachen und Splittern ertönte. Angstvoll blickte der Reiter nach oben, sah einen riesigen Ast auf sich zustürzen. Wie erstarrt wartete er auf sein Ende, nur noch ein Augenblick zu leben ! ...

NICHTS geschehen! Nur wenige Handbreit vor seinem Gesicht schwebte der Baumstamm. Schon wollte der Reiter jubeln, als er neuerlich erblasste. Kein Wintersturm hatte den Stamm gefällt, sondern die Wilde Jagd des Waldgeistes Elbel. Elbel war es auch, der den fallenden Stamm scheinbar spielerisch aufgefangen hatte und nun dröhnend über den Todesschreck des Mannes lachte. "Nun Menschlein", polterte er, "ich biete Dir Dein Leben. Was bietest Du mir?!" und sah den Mann durchdringendend an. Dieser erblasste und erschrak immer mehr. Unzählige Schauergeschichten von der Wilden Jagd und ihren rauhen Geistersitten fielen ihm ein, schon glaubte er sein letzten Stündlein gekommen. Doch dann fiel ihm ein, dass die wilden Gesellen wohl immer für Gelage zu haben seien. Eingedenk dieser Geschichten bot er Elbel mit versagender Stimme ein Dutzend Krüge Met, dargeboten von einem Dutzend schöner Jungfrauen an.
Wieder lachte Elbel mit seinen Gesellen schallend, sah die Jammergestalt prüfend an: "So sei es!" Dann hob ringsum ein Brausen, Jaulen, Fluchen und Fauchen an, die wilde Gesellschaft jagte weiter. "Und wage es nicht, mich zu betrügen, Menschlein!" donnerte es dem Reiter noch nach, bevor der ganze Sturm im Felsen der Elbels Kanzel verschwand.
 
Immer noch wie versteinert stand der Mann. Nur langsam erholte er sich von seiner Todesangst. Doch mit den Lebensgeistern kehrte auch seine Verschlagenheit wieder. Als Reisiger hatte er schon viel gesehen und war bei mancher Bluttat abgestumpft. Geister fürchtete er, Menschen nicht. Und so beschloß er, dass nahe Dorf Harstall am Ausgang des Hühnerlochs heimzusuchen. Grimmig grinsend fiel er über die wehrlosen Bauern des kleinen Weilers her, brach den ohnmächtigen Widerstand mit dem Schwert und trieb alle jungen Frauen zusammen. Er zwang sie, Krüge mit Met und Bier abzufüllen und trieb die heulende und schluchzende Schar vor sich her zurück in den Wald zu der Stelle, an der ihm Elbel erschiene war. "Hier bin ich, Wilder Mann, und hab allen Lustigen Gesellen was zum Spielen mitgebracht!" rief er keck in den Wald, während die verängstigten Mädchen erneut lauthals zu weinen begannen.
 
Ein lautes Getöse erhob sich und wieder erschien Elbel, doch diesmal nicht mehr lachend: "Du wagst es, die Menschen meines Waldes wider Willens zu mir zu treiben! Mir zu schenken was schon mein ist! Elender das sollst Du büßen!" Rasend vor Zorn griff Elbel die gestürzte und ehemals aufgehaltenen Baumkrone und schleuderte sie voller Wucht nach dem Schandtäter. In diesem Augenblick erschien, alarmiert von Angstschreien der Frauen, seine Gefährtin Hulda, die weiße Frau, und erkannte, dass Elbels mächtiges Geschoss auch die unschuldigen Frauen treffen würde. Blitzschnell murmelte sie einen Zauberspruch, der alle Mädchen in zarte Blumen verwandelte. Weiß sollten sie sein, damit sie sich im letzten Schnee verbergen konnten. Die Krüge in ihren Händen bestimmten die Form der Blüten und die Reste von Bier und Met färbten die Ränder der Kelche. Im Krachen des niedergehenden Stammes fand so nur noch der herzlose Bösewicht sein Ende.
 
Frau Hulda konnte jedoch nicht mehr verhindern, dass nun das kleine Dorf auf den Harstallwiesen ohne Frauen blieb und bald verwaiste. Heute ist es spurlos verschwunden. Tief im Wald trifft einen manchmal ein Eishauch: Die Wilde Jagd soll immer noch im Brausen der Wälder zu hören sein.
Viel später wurde ein graues steinerenes Kreuz errichtet, um das herum sich hartnäckig Brennesseln halten, während sich dicht daneben jedes Jahr zur Zeit anmutige Blumenschönheiten entfalten.