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PanzerschneisenPanzer Der Hainich hat eine kriegerische Vergangenheit. Zur Thüringerzeit natürlicher Grenzwall gegenüber den Franken, dienten seine abgelegen Täler später zum Einschießen von Kanonen (bei Sulzrieden). In der Zeit des kalten Krieges nach dem 2.WK war die innerdeutsche Grenze nicht weit. Die Westhänge wurde mit Schützengräben übersät, im Osten ein Armeeschießplatz der NVA angelegt und der südliche Teil Panzerübungsplatz der Roten Armee. Vom heutigen Gewerbegebiet Kindl ging die Stoßrichtung nordwärts auf dem Kamm entlang bis zum Langen Tal/Sulzrieden Höhe Berka. Abgeholzt wurde das ganze Gebiet. Nachts konnte man das Mündungsfeuer widerleuchten sehen. Geschichten über rauhe Menge Wodka und über durchgeknallte Ausreißer machten die Runde. Einmal schlug eine Granate im Bischofrodaer Schloß ein, damals als Kindergarten genutzt. Glücklicherweise war zufällig kein Mensch in der Nähe.
Anfang der 90er zog die Rote Armee ab. Heute kann man noch Feldherrenhügel, Panzerschneisen und Bunker besichtigen. Ein Verlassen der Wege empfielt sich nicht, obwohl kräftig geräumt wird. Granate im Hainich

Tintlinge - ungeniesbar aber niedlichPilze Mit der Sense ernten kann man die Pilze des Hainich nicht. Wo keine Monokultur der Bäume herrscht, fehlen auch die Rasen einer Pilzart. Besonders in der Nähe der Waldränder und der Nadelwaldstreifen kommt der hartnäckige Sammler aber auf seine Kosten: Im Frühjahr der Maipilz und ab und zu eine Morchel, ab August die zugegebenermaßen nicht so tollen Täublinge und im Herbst dann die Champignogn, Steinpilz, Perlpilz, Butterpilz, Stockschwämmchen, Hallimasch, Reizker, Ritterlinge usw.
Riesenschirmpilz, ausnahmsweise mal tief im WaldBesondere Delikatesse und Augen- schmaus ist der Riesenschirmpilz: Bis zu 40 cm im Durchmesser groß, leuchtet der Hut weit aus dem Gras kleiner Lichtungen, ehe er als Schnitzel gebraten ein zweites Mal höchstes Entzücken hervorruft ...

Plenterwald Nicht der Berliner Vergnügungspark, sondern eine für den Hainich typische Bewirtschaftungsform ist gemeint: Die Bäume eines Plenterwaldes sind ungleichaltrig, alle Alter und meist auch mehrere Arten sind vertreten und vermehren sich durch natürliche Keimung ohne Aussaat oder Pflanzung in Reih und Glied. Nur einzelne Stämme werden in den Forsten geschlagen und durch Rücken abtransportiert. Insgesamt kommen selbst bewirtschaftete Plenterwälder dem Eindruck natürlicher Wälder recht nahe.

Dicke Linde auf dem PropelPropel Bergsporn über Mihla direkt oberhalb des Werraknies, geht zurück auf das Wort "Brachbühl". Alter Gerichtsplatz. Heute lindenbestandener Festplatz und Wanderausgangspunkt. In die sehenswerte "Dicke Linde" kann man problemlos hineinkriechen. Vom benachbarten Hotel Werrablick weiter Blick über das Werraknie.

Propsteizella Ruhig glegener Wirtschaftshof zwischen Frankenroda und Falken, direkt an Werra und Radweg gelegen. Schon dem Namen nach auf klösterliche Vergangenheit zurückblickend, kann man heutzutage in der warmen Jahreszeit im rustikalen Landgasthof übernachten und sich erfrischen, Pferdefreunde sind besonders willkommen.
Die Attraktion von Probsteizella ist jedoch die einmalige Landschaft. Saftige Wiesen wechseln mit direkt in die Werra abfallenden Kalksteinfelsen. Im geschützten Terrain findet man manche Rarität. All dies kann man vom befestigten Weg entlang der Werra bequem erbummeln. Der Weg ist zwischen Probsteizella und Falken für KFZ gesperrt, Anreise also über Mihla - Frankenroda. Noch besser geeignet als Ausflugsziel für Rad und Boot, diesmal aus beiden Richtungen. Halt in Probsteizella, ein Bummel unter den Felsen, Einkehr im Landgasthof - ein perfekter Familiennachmittag. Mehr dazu auf der externen Homepage

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Q & R       

Reckenbühl Über diesen Hainichberg verläuft der Waldweg zwischen Mihla und Kammerforst. Während am Kamm, der Kreuzung mit dem Rennstieg, ein Rastplatz am historischen Ort der Antoniusherberge zum Verweilen lädt, kann man etwa 1km in Richtung Kammerforst etwas seitlich auf einer großen Wiese das zerfallene gleichnamige Forsthaus finden. Großer Himmelfahrtstreff.

Rennstieg - Symbol, hier mit Hinweis auf AbbiegungRennstieg Kein Druckfehler. Der Höhenweg des Hainich wird im Gegensatz zu seinem berühmten Nachbarn im Thüringer Wald mit "ie" statt "ei" geschrieben.
In Deutschland gibt es viele Rennsteige / Rennstiege. Noch ist man sich nicht ganz einig, woher dieser Name kommt. Immer aber bezeichnet der Name Höhenwege, die entlang des Gebirgskammes führen. Rhöner Heimatfreunde behaupten gerne, "Rehn" ginge auf das alte keltische Wort für Gebirge zurück und hätte nichts mit "rennen" zu tun. Es gibt jedoch auch Version vom Botenweg und die GrenzRAINdeutung.
Mehr zu Rennsteigen im allgemeinen im externen Link zu Dr. Etzel
Gewiss ist, das das Reisen auf den Rennsteigen für Wanderer nicht ungeschickt ist. Der Hainich-Rennstieg weist nur sanfte Höhenunterschiede auf und verbindet Landschaften wie Eichsfeld und Hörseltal oder Werra und Unstrut, die auch im KFZ-Zeitalter nur umständlich erreichbar sind, auf überraschend kurze und bequeme Weise. Kein Talgewirre, kein Dickicht, dafür schattiger Hochwald. Leicht einzusehen, dass diese Wege in früheren Zeiten eine gewisse Bedeutung hatten.
Der Hainich- Rennstieg beginnt in Eigenrieden bei Mühlhausen und führt über Heyerode, Struppeiche, Reckenbühl, Ihlefeld, Craulaer Kreuz in den Behringer Park. 30 km sind zu bewältigen. Traditionell wird dies in 2 Tagesmärschen mit Übernachtung in den Wanderhotels in Kammerforst und Mihla bewältigt, da es unterwegs viel zu sehen gibt: Mühlhäuser Landgraben, Grenzhaus Heyerode, die Klüfte des Winterstein, Mareillebank, ein Abstecher zur Burgruine Haineck, Rastplatz Reckenbühl, Ihlefeld mit den Kreuzen, Craulaer Kreuz, Alter Berg mit Blick auf den Russenschießplatz, event. Abstecher zum Skulpturenwanderweg Hütscheroda / Heßwinkel und schließlich der sehenswerte Behringer Park
Bereits früh im 20. Jahrhundert kam die Wandertradition im Hainich auf, Kundige nennen die Tour "Hainich-Runst" und beginnen und enden mit dem Ruf "Gut Runst", bei dem sich alle Gefährten im Kreis an den Händen fassen.
Vor langen Zeit war der Rennstieg schon markiert, im Gegensatz zum Rennsteig jedoch mit einem unterstrichenen "R". In den Zeiten der Armeesperrgebiete verwilderte der südliche, im Staatsforst gelegen Teil, lag zum Teil "unter Beschuss". Enthusiasten suchten deshalb nach der Vereinigung erst mühsam nach verwachsenen Baumzeichen und alten Karteneintragungen. Mittlerweile ist der gesamte Rennstieg gut begehbar und markiert, wenngleich ab und zu immer noch nicht mehr als ein schmaler Waldpfad. Empfehlenswert ist es, sich den ausgebildeten Führern des Nationalparkes anzuvertrauen, da diese manch versteckte Ort kennen und ganz sicher zur uralten Geschichte und Natur einiges erzahlen können.
Der Rennstieg führt größtenteils über lichte Wege durch Buchenhochwald, auch entlang etlicher Hochwiesen. Besonders im April ist der ganze Waldboden mit Frühblühern bedeckt.
Der Rennstieg ist das Herz des Hainich.

Rohrkolben auf den HöhenRohrkolben Eigentlich ist der Hainich durch seinen kalkigen Untergrund ein gewässerarmer Höhenzug. Trotzdem gibt es gerade auf den Höhen ein paar lehmige Stellen, die Nässe stauen. Dort findet der Kundige auch Rohrkolben, die unten in den Fluss- und Bachtälern längst Opfer des Menschen geworden sind.

Rudolfs AuŽ Neuerer Name für eine Verbreiterung des Mihlaer Tals, die schon tief im Hainich liegt. Inmitten saftiger Wiesen lag dort ein Offenstall für Kühe, der viele viele Jahre von einem nun leider verstorbenen Mihlaer Original auf traditionelle Weise gut behütet wurde. Wanderer wurden stets freundlich aufgenommen, ein Besuch bei "Onkel Rudolf" war ein Attraktion für die Jugend. Populär wurde der Name durch den Spruch auf Wilhelms Blick.
Heute stehen an gleicher Stelle die Ställe eines Bio-Bauern, der die traditionelle Freilandhaltung fortsetzt.

Rücken wird von den Forstleuten das für den Plenterwald typische Herausschleppen einzelner gefällter Baumstämme genannt. Wird gern bei gefrorenen Boden im Winter gemacht. Eingesetzt wird schwere Spezialtechnik, aber man sieht immer noch Pferde im Einsatz. Letzten Endes ein Beitrag für naturnahe Wälder, auch wenn kurz nach dem Rücken manchmal alles zerwühlt ist.

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