Der Hainich - Rennstieg
Rennsteig, auch Rennweg oder Rennstieg. Höhenweg auf dem Kamm eines Gebirges

Nein - es ist kein Schreibfehler: Der Höhenweg des Hainich wird im Gegensatz zu seinem berühmten Nachbarn im Thüringer Wald mit "ie" statt "ei" geschrieben.

In Deutschland gibt es viele Rennsteige / Rennstiege oder auch "Rennwege", man spricht von bis zu 80, manche meinen bis 200. Der Rennsteig des Thüringer Waldes ist also nur der bekannteste aus einer ganzen Gattung von Wegen. Noch ist man sich nicht ganz einig, woher dieser Name kommt. Rhöner Heimatfreunde behaupten gerne, "Rehn" ginge auf das alte keltische Wort für Gebirge zurück und hätte nichts mit "rennen" zu tun. Es gibt jedoch auch Version vom Botenweg ("rennen"), vom Handelsweg und die GrenzRAINdeutung.


 Achtung! abbiegender Rennstieg! Höhenwanderwege
Gewiss ist, dass das Reisen auf den Rennsteigen für Wanderer nicht ungeschickt ist. Der Name bezeichnet immer Höhenwege, die entlang des Gebirgskammes führen. Während im Talgrund häufig Bäche und Feuchtgebiete mit morastiger Stellen und mit üppigem Dickicht das Fortkommen erschweren, sind die Kämme der Höhenzüge oft mit vergleichsweise offenen und gut zu durchquerenden Hochwald bedeckt. Auch das längste Tal erklimmt im Bergland irgendwann die Höhen, warum also nicht gleich den bequemeren Höhenweg wählen. Und der Weg parallel zum Rennsteig, aber in den Vorbergen ist in den meisten Fällen ein kräftezehrendes Auf und Ab.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Sichtfaktor. Während es im Hochwald der Höhen häufig wenigstens etwas Sicht und auch Licht gibt, sind enge Täler häufig düster und der Wanderer kann im Dickicht kaum einen Steinwurf weit sehen. Außerdem ist die Sicht vom Höhenrücken immer umfassender als vom Tal herauf. In unruhigen Zeiten lebenswichtig.


Unruhige Zeiten haben die Rennsteige und Rennstiege genug gesehen, denn es gibt sie seit uralter Zeit. Urkundliche Erwähnungen häufen sich im 14.Jahrhundert ( z.B. Thüringer-Wald-Rennsteig 1330 als 'Rynnestig', 'Innerste'-Rennstieg des Harzes um 1350 ). Dies würde sich mit der letzten Siedlungsperiode in Mitteldeutschland decken, in der mehr oder weniger erfolgreich Orte in den Höhenlagen der Mittelgebirge gegründet wurden.
Wahrscheinlich sind die Höhenwege aber viel älter, denn ihre Vorzüge galten auch schon zur Zeit der Kelten und Germanen. Nur das diese ihre Gebiete nicht in Urkunden absteckten. Allerdings wird sich der Verkehr auf den Rennstiegen zu diesen Zeiten eher in Grenzen gehalten haben, denn Höhenzüge und mit ihnen die Rennstiege waren zu jener Zeit noch riesige Urwaldgebiete mit eher trennenden als verbindenden Charakter. Gebirgsüberquerende Wege werden wohl in dieser eine größere Bedeutung gehabt haben als Höhenwege.


Runst im Hainich
Auch der Hainich-Rennstieg weist nur sanfte Höhenunterschiede auf und verbindet Landschaften und Lebensräume wie Eichsfeld und Hörseltal oder Werra und Unstrut, die auch im KFZ-Zeitalter nur umständlich erreichbar sind, auf überraschend kurze und bequeme Weise. Kein Talgewirre, kein Dickicht, dafür schattiger Hochwald. Leicht einzusehen, dass diese Wege in früheren Zeiten eine gewisse Bedeutung hatten.

Der Hainich- Rennstieg beginnt in Eigenrieden bei Mühlhausen und führt über Heyerode, Struppeiche, Reckenbühl, Ihlefeld, Craulaer Kreuz in den Behringer Park. 31 km sind zu bewältigen. Traditionell wird dies in 2 Tagesmärschen mit Übernachtung in den Wanderhotels in Kammerforst und Mihla bewältigt, da es unterwegs viel zu sehen gibt: Mühlhäuser Landgraben, Grenzhaus Heyerode, die Klüfte des Winterstein, Mareillebank, ein Abstecher zur Burgruine Haineck, Rastplatz Reckenbühl, Ihlefeld mit den Kreuzen, Craulaer Kreuz, Alter Berg mit Blick auf den Russenschießplatz, eventuellen Abstecher zum Skulpturenwanderweg Hütscheroda / Heßwinkel und schließlich der sehenswerte Behringer Park

Bereits früh im 20. Jahrhundert kam die Wandertradition im Hainich auf, Kundige nennen die Tour "Hainich-Runst" und beginnen und enden mit dem Ruf "Gut Runst", bei dem sich alle Gefährten im Kreis an den Händen fassen.

Runst kommt übrigens von "rennen" - wie Kunst von kennen oder Brunst von brennen. "Gut Runst!" heißt also nichts anderes als: Gute Rennsteigfahrt, frohes - mitnichten eiliges - Wandern auf allen Rennsteigen und Rennwegen!

Gut Runst! Gut Runst, Gut Runst!
Oh lebe fort auf edle Art,
du herrlich schöne
du schöne Rennsteigfahrt!


 Rennstieg-Markierung mit Abbiegung Bereits Anfang des 20.Jahrhunderts war der Rennstieg schon markiert, im Gegensatz zum Rennsteig jedoch mit einem unterstrichenen "R".
Das Wegzeichen "R" ohne Unterstrich des Thüringer-Wald-Rennsteiges wird übrigens "Mareile" genannt, nach dem Kosenamen für eine fesche Försterstochter. Daß sich ein regelrechter Mareile-Kult mit Gedichten u.s.w. in der Rennergemeinde entwickelte - "Mareile" heißt sogar die Vereinszeitschrift-, wird eher auf eine Verselbständigung zu einem Vereinsmythos in typischer Kaiser-Wilhelm-Zeit-Manier zurückgeführt als auf die schon bald verheiratete echte Mareile. Die Mareile-Bank des Hainich erinnert an Jutta Müller aus Langula aus der Wanderbewegung Anfang des 20.Jahrhunderts, die nach einer Rennsteigrunst den "Wanderernamen" Mareile erhielt.


Wandern heutzutage
In den Zeiten der Armeesperrgebiete verwilderte der südliche, im Staatsforst gelegen Teil des Hainich-Rennstieges, lag zum Teil "unter Beschuss". Enthusiasten suchten deshalb nach der Vereinigung erst mühsam nach verwachsenen Baumzeichen und alten Karteneintragungen. Mittlerweile ist der gesamte Rennstieg gut begehbar und markiert, wenngleich ab und zu immer noch nicht mehr als ein schmaler Waldpfad. Empfehlenswert ist es, sich den ausgebildeten Führern des Nationalparkes anzuvertrauen, die manch versteckten Ort kennen und ganz sicher einiges zur uralten Geschichte und Natur erzahlen können.
Der Rennstieg führt größtenteils über lichte Wege durch Buchenhochwald, auch entlang etlicher Hochwiesen. Besonders im April ist der ganze Waldboden mit Frühblühern bedeckt.
Wer Ruhe, Erholung und ursprüngliche Natur sucht, ist hier richtig. Auch zur Hochsaison sind Begegnungen mit anderen Wanderern eher selten. Nur an den Versorgungspunkten trifft man sicher ein paar Leute, aber Versorgungspunkte sind dünn gestreut. Dafür gibt es viel Natur und der Rennstieg quert den Nationalpark.

Der Rennstieg ist das Herz des Hainich und (noch) ein Geheimtipp.

2004 Hainichwanderer

nach oben     home