Der Hainich
 Totholz im Urwald Hainich, Höhenzug in der Mitte Deutschlands, im Osten flach aus dem Thüringer Becken ansteigend, starke Zertalungen und Prallhang auf der Westseite zur Werra, bis 495m, aus Muschelkalk bestehend, Karsterscheinungen, gewässerarm. Übergang von subozeanischen Klima zum subkontinentalen, Wasserscheide. Historisches Grenzland, im nördlichen Teil naturnaher Plenterwald, in südlichen Bereichen durch mehrere Schießplätze im 20.Jh. kaum Forstwirtschaft, keine Straßen. Urwaldähnliche buchenbestimmte Laubwaldbereiche, typisch für Mitteleuropa. Seit 1998 Nationalpark.
Der Hainich ist eines von vielen Mittelgebirgen Deutschlands, erreicht noch nicht einmal die Mindesthöhe von 500m für ein ordentliches Mittelgebirge. Kein Wunder, dass der Hainich außerhalb der Region kaum bekannt ist. Und doch ist er ein Schatz für alle Naturfreunde und auch mit Nationalpark immer noch ein Geheimtipp.
Was macht ihn dazu?
 Panzerschneisen Bereits zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurden im Hainich Kanonen eingeschossen, nach 1945 kamen dann Sowjetarmee und die NVA, Armee der DDR, hinzu und richteten vielgenutzte Schießplätze ein. Die Schießplätze wurden abgeholzt, die Randbereiche aber forstlich so gut wie gar nicht mehr genutzt. Manche Bereiche haben seit 30-40 Jahren keinen Axthieb mehr gesehen. Hier entwickelte sich Wald, wie er ohne Einwirkung des Menschen in ganz Mitteleuropa stehen würde - deutscher Urwald, wie ihn unsere germanischen Vorfahren gesehen haben müssen. Auch die abgeholzten Gebiete, seit 1990 völlig unberührt, sind für alle Experten spannend: Wie wird der Wald aussehen, der hier auf diesen riesigen Flächen unbeeinflusst heranwächst?

Begünstigend kommt noch hinzu, dass nur 2 Nebenstraßen im nördlichen Bereich den Hainich queren. Der Höhenzug ist somit außerdem das größte unzerschnittene Laubwaldgebiet Deutschlands.

Beste Voraussetzungen, den Hainich mit einem Nationalpark zu würdigen und zu schützen. Ein Nationalpark in der Mitte Deutschlands, auf dem Weg zum deutschen Urwald!

 Wanderer im Urwald Geheimtipp Hainich
Wegen der ehemaligen innerdeutschen Grenzlage und der Schießplätze ist der Hainich kein traditionelles Wandergebiet. Nach der Wende zog es niemanden in das geschundene Land, das Projekt Nationalpark gewann nur langsam an Boden und ist mit Gründungsdatum 1998 eines der Jüngsten des Landes. Herausragende Attraktionen wie Kreidefelsen, Wattenmeer oder Brocken hat der Hainich nicht. Kein Wunder, dass er nicht gerade überlaufen ist.
Und genau dass macht ihn zum liebenswerten Geheimtipp für alle Naturfreunde. Wer Riesenparkplätze, Warteschlangen und Budenmeilen, kurz die lärmende Betriebsamkeit kanalisierter Touristenströme, nicht (immer) mag, ist im Hainich genau richtig. Hier steht nur die Natur im Vordergrund, stille Kostbarkeiten überraschender Schönheit. Hier können Sie noch stundenlang Wandern ohne Menschen zu begegnen, das Baumrauschen hören und mit etwas Glück heimliche Tiere beobachten.

Die 3 Gesichter des Hainich
Von 3 Seiten zeigt sich Ihnen der Hainich: Im Norden naturnaher Plenterwald, in der Mitte der Urwaldgürtel und hauptsächlich im Süden Wiederbewaldungsflächen ehemaliger Schießplätze.
 Ruine der Waldburg Haineck Der Plenterwald ist eine uralte, aber seltene Bewirtschaftungsform für den Wald, bei der kein Kahlschlag und keine Pflanzung stattfindet. Nur vereinzelt werden die dicksten Bäume geschlagen, sonst bleibt der Wald (fast) sich selbst überlassen. Hier herrscht die Buche vor. Der Plenterwald des Hainich konnte sich dank uralter Waldgenossenschaften entwickeln, die wiederum durch eines historischen Glückfall im Grenzland Nordhainich entstehen konnten. Heute ist der Plenterwald ein schattiges Wanderparadies mit geheimnisvollen historischen Wald-Grenzbefestigungen.
 Herbst im Hainich (Foto Thomas Stephan) Der Urwaldgürtel entstand an den Rändern der Schießplätze, wo aus Sicherheitsgründen niemand hin durfte. Schon viele Jahrzehnte unbeeinflusst hat sich hier urwaldähnlicher Wald entwickelt: Mächtige Exemplare stehen neben natürlicher Verjüngung, malerisches Totholz statt "gefegter" Forsten. Neben der Buche sind vielfältigste Arten wie Eiche, Ulme, Hainbuche und Elsbeere zu finden. Im Herbst entwickelt jede Art eine andere Farbschattierung, hier entstand das berühmte Foto des Geo-Fotografen Thomas Stephan. Die Urwaldbereiche sind heute höchste Schutzzone und können nur in speziellen Führungen mit begrenzter Teilnehmerzahl betreten werden.
 Panzergranate am Rande des Schießpatzes Die Wiederbewaldungsflächen der ehemaligen Schießplätze sind vorerst nur in Randbereichen freigegeben, bieten aber hervorragende Ausblicke wie den Wartburgblick oder interessante Einblicke auf Überbleibsel der "Russen"-Zeit. Kurioserweise sind Hinterlassenschaften wie Panzerkuhlen wichtige Biotope für die seltenen Gelbbauchunken. Auch für Hobby-Naturfreunde ist erstaunlich, wie sich der Kahlschlag aus eigener Kraft schon wieder belebt hat. Am südlichen Rand bietet ein Skulpturen-Wanderweg mit sehenswerten bis streitbaren Werken internationaler Künstler Erbauung und Abwechslung.
2004 Hainichwanderer

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