Geheimnisvolle Wald-und Fliehburgen im Hainich
Fliehburg, auch Flucht-, Volks- und Bauernburg, vor- und frühgeschichtl. Befestigungen, die i.d.R. nicht dauernd bewohnt waren, sondern als Zufluchtsstätten der umliegenden Bevölkerung in Notzeiten dienten.

Landwehr, (Begriff aus Festungsbau): (Landfrieden, Landgraben), eine bes. für die Germanen charakterist. Art der Grenzbefestigung (Wälle, Gräben), die größere Teile eines Gebiets umzog oder nur zur Sperrung von Zugängen diente, z.B. das Danewerk (9.Jh.) in Schleswig.

Knick, (Wallhecken), auch Geknick, mit Gebüsch bepflanzter Erdwall als Einfriedigung von Fliehburgen oder von Wiesen und Äckern, auch Windschutz.

In alten Zeiten war der Hainich unruhiges Grenzland. Besonders in keltischer und fränkischer Zeit sowie im 14.Jahrhundert trennte der Höhenzug hartnäckige Feinde. Deshalb ist der Hainich mit Befestigungsanlagen wie Fliehburgen, Steinburgen und Landwehren überzogen, die meisten versteckt tief im Wald und auch Einheimischen nur wenig bekannt. Auf meinen Wanderungen habe ich 10 solcher Anlagen, zum Teil nach langem Suchen, gefunden.
Was gibt es da zu entdecken und aus welchen Zeit stammt es?

Fliehburgen im Hainich
In den weiten Waldflächen des Hainich verbergen sich 4 Flieh- oder Fluchtburgen: die nur dem Namen nach noch bekannte Thiemsburg bei Craula, der Burgberg bei Berka, die kaum zu erkennende Höhneburg bei Hallungen und der äußerst imposante Heyeröder Sommerstein.
Fliehburgen haben wenig mit der landläufigen Vorstellung von steinernen Ritterburgen zu tun. Ganze Dörfer zogen bei Gefahr mit ihrem Vieh zu versteckt gelegenen, gut zu verteidigenden Naturorten. Möglichst durch Wasser oder steile Abhänge an einigen Seiten geschützt, musste meist nur eine Seite befestigt und verteidigt werden. In der Nähe musste es Wasser geben. War die Gefahr dann nach Tagen oder Wochen vorbei, zogen die Flüchtlinge wieder in ihr Dorf zurück und überließen die Fliehburg wieder der Einsamkeit.
Bei den Fliehburgen des Hainich wurde die Befestigungen vermutlich als Graben-Wall-Palisaden-System angelegt. Auf hervorspringenden Bergspornen wurde ein Graben von vielleicht 2 m Breite und Tiefe quer über den Bergrücken gegraben. Der Aushub, im Hainich sehr steinig, wurde auf der zu schützenden Seite als Wall angehäuft. Gräben und Wälle sind heute noch mehr oder minder gut zu sehen. Die vermuteten Holzpalisaden auf der Wallkrone sind heute vergangen, über ihr genaues Aussehen kann keine Aussage gemacht werden.

Thiemsburg
Von der Thiemsburg bei Craula ist nur noch der Name für ein beliebtes Ausflugsziel im Hainich geblieben. Im Umfeld der Gebäude aus dem 20.Jh. sind einige Wälle erahnbar, allerdings gibt es dort auch etliche Erdbewegungen aus NVA-Zeiten.

Berkaer Burgberg
Im Tal beim Wanderparkplatz Sulzrieden lag einst eine kleine Siedlung, Klein Berka oder Sulzrieden genannt. Ausgrabungen weisen darauf hin, dass hier möglicherweise in fränkischer Zeit Slawen siedelten (einer der westlichsten Siedlungsorte der Slawen!). Auf dem naheliegenden Burgberg sind versteckt zwei nur noch schwach sichtbare Wallgräben zu finden. Waren das Befestigungsanlagen für die Bauern aus Klein Berka? Vermutlich. Die Lage dieser Fliehburg ist insgesamt nicht allzu unangreifbar. Für eine Festung der Slawen tief im damaligen Frankenland wäre die Anlage zu dürftig.
Bitte beachten Sie: Der Burgberg liegt tief im Nationalpark abseits der Wege. Wegen des Wegegebots kann die Burg nicht ohne Führung aufgesucht werden!

Höhneburg
Die Höhneburg oberhalb Hallungen, in einem Waldstreifen etwas außerhalb des Hainich gelegen, ist die am schlechtesten erhaltene Fliehburg und schwer zu finden. Die Gräben sind nicht mehr erkennbar, die Steinwälle scheinen auf ersten Blick eher Lesesteinhaufen moderner Landwirtschaft zu sein. Auch die Lage verspricht auf ersten Blick keinen Schutz.
Erst wenn die Steinhaufen abgeht, erkennt man ein System mit Vorhof und Haupthof und wird sich klar, dass die Abgelegenheit der Hauptschutz der Höhneburg war.
Die Höhneburg war sicher mittelalterliche Fliehburg für Hallungen, das letzte Dorf der Landgrafen vor der Grenze zum "räuberischen Eichsfeld". Insofern passt auch die Fluchtrichtung und die Verteidigungsrichtung zur Hochfläche zwischen Heyerode, Treffurt und Nazza. Vielleicht hängt die Anlage aber auch mit der Wüstung "Dudelkirchen" (siehe auch Dudelberg, ehem. Gut Taubenthal) zusammen.

Sommerstein
Der Sommerstein oberhalb des Waldbades Hallungen Ritzenhausen, schon beinahe auf Heyeröder Territorium, ist die besterhaltenste Fliehburg des Hainich und zeichnet sich durch imposante Lage auf einem schmalen, fast senkrecht abfallendem Felssporn aus. Noch heute hält man die Luft an, wenn man an den Abgrund tritt und einem der Wind um die Ohren heult. Von der ehemaligen Fliehburg sind mehrere Wallgräben noch gut erhalten. Während die Wälle der Vorburg sich noch recht breit über die Hochfläche des Hainich ziehen, sperren mehrere Grabenwälle der Hauptburg den Felsengrat des Bergsporns an seiner engsten Stelle. Man kann man sich die Verteidigung leicht vorstellen: Wahrscheinlich konnten schon wenige Männer mit einfachen Waffen den Zugang zur eigentlichen Fliehburg versperren. Ihre Familien suchten mit Hab und Gut Unterschlupf in einer großen natürlichen Bergspalte und hatten so Sicht- und Wetterschutz. Am Fuße des Sommersteins fließt der Lämpertsbach, aus dem selbst bei Belagerung sicher wenigstens nachts Wasser geholt werden konnte. Eine gute Wahl, die Sommersteinburg.
Wer jedoch die Fliehburg nutzte, kann nur gemutmaßt werden. Direkt unterhalb des Sommersteins lag die Ortschaft Ritzenhausen, wahrscheinlich etwas oberhalb des heutigen Schwimmbades. Ritzenhausen tief im Hainich dürfte wie Hallungen und Heyerode erst mit der letzten Siedlungswelle (13./14.Jh.) gegründet worden sein und fiel schon bald wieder wüst. Das kleine Ritzenhäuser Tal bot wohl nur wenigen Menschen Nahrung und lag damals genau in der Grenzzone zwischen den mächtigen Thüringer Landgrafen und den nicht minder mächtigen Erzbischof von Mainz. Nötig hatten die Bewohner bei den dauernden Grenzhändeln eine Fliehburg ganz sicher. Fraglich ist aber, ob die wenigen Ritzenhausener eine solch große Anlage errichten konnten.
Vielleicht geht aber auch die alte Heyeröder Tradition der Sommerfrische zum Sommerstein (Ernst Mehler, Heyerode: "Der Sommerstein") auf uralte Gewohnheiten zurück. Heyerode war wohl von Anfang an etwas größer als Ritzenhausen und hätte mit mehr Leuten mehr bewirken können. Zwar sind es einige Kilometer von Heyerode bis zum Sommerstein. Doch das wäre der Verborgenheit wegen gar nicht so verkehrt gewesen. Allerdings war Heyerode damals ein sehr sehr armes Dorf und es fragt sich, ob die Heyeröder es sich leisten konnten, Männer zum Fliehburgenbau abzustellen. Dem Namen nach ganz anders mögen die Verhältnisse im sagenhaften Ort "Reichensachsen" gewesen sein. Reichensachsen soll im Seitental an der Untermühle Richtung Schierschwende gelegen haben und lag also ebenfalls direkt am Sommerstein. Diese Siedlung bestand neueren Ansichten nach vielleicht schon in der fränkischen Periode im 9.Jh. und fiel bereits um 1300 wüst. Die Lage an einer uralten Handelsstraße aus dem niedersächsischen Raum über Eisenach in den Würzburger Raum, damals beides wichtige fränkische Machtzentren, könnte zum Namen "Reichen"sachsen beigetragen haben und auch die Notwendigkeit eines Verstecks erklären.

Leider gibt es über Reichensachsen/Heyerode genauso wenig Informationen wie über die Fliehburg Sommerstein oder gar die anderen Fliehburgen. Man kann jedoch ein deutliches Stück erahnen, wenn man die Fliehburgen in der freien Natur aufsucht und offenen Auges betrachtet. Beste Gelegenheit dazu ist die Wanderung des Naturparks am Samstag, den 28.Aug., von Heyerode nach Nazza, auf der gleich zu 4 Befestigungsanlagen des Hainich gewandert wird und die graue Theorie vor Ort erläutert werden kann. Nähere Infos zur Wanderung unter www.hainichwanderer.de

Exkurs - Keltische Zeit im Hainich
In den Jahrhunderten vor der Zeitrechnung begann südwestlich nicht weit vom Hainich (Bad Salzungen, Grabfeld) das Gebiet der Kelten. Nordöstlich direkt am Fuße des Hainich hatten vorgermanische, nur wenig bekannte Völkerschaften ein Hauptheiligtum (Erdfall Dorla mit neuentstandenem See, heute Freilandmuseum "Opfermoor" Niederdorla am "Mittelpunkt Deutschlands") und erstaunlich große Siedlungen (Grabung bei Sättelstädt an der A4, Nähe Hörselberge). Der Hainich war vermutlich nie keltisches Gebiet, allerdings Grenz- und Tauschgebiet. Ob dieser Austausch friedlich war oder kriegerisch, kann nur gemutmaßt werden. Spätestens im Vorfeld der bekannten Völkerwanderung, als Elb-Germanen verstärkt keltische Gebiete überfluteten, dürfte die Region Schauplatz häufiger Kämpfe gewesen sein.
Unentschieden ist die Frage, ob in dieser Zeit Befestigungsanlagen im Hainich angelegt wurden. Zu dieser Zeit waren nur die Flusstäler und manche Ebenen halbwegs betretbar, die Höhenzüge und ihr Vorland waren mit schier undurchdringlichem Urwald bedeckt. Der Wald war den damaligen Menschen unheimlich, ihr Respekt drückt sich in der Verehrung heiliger Bäume ("Donareichen") und heiliger Haine aus. Fraglich, ob die Menschen damals sich zu einem Bau von Befestigungen in diese Wäldern trauten. Vielleicht nahm die heidnische Bevölkerung aber auch gerade an heiligen Orten (meist atemberaubende Orte) Zuflucht? Bekannte Beispiele sind die niedersächsischen Externsteine und Bruchhauser Steine. Die letztere wird auf 500 v.u.Z. datiert.
Die Kelten damals bauten jedenfalls mir Vorliebe auf einzelstehenden Tafelberge Wallburgen mit recht fortgeschrittener Bautechnik (z.B. Heuneburg). Gitterartig verlegte große Holzstämme wurden mit Steinen und Erde aufgefüllt, darin steckten auch die Pfeiler für das Palisadenwerk obendrauf. Diese Wälle waren einerseits gut brandgeschützt, andererseits durch die elastischen Holzanker stoßsicher. Diese Bauart hatte einen zwar machbaren, aber doch hohen Aufwand und ist daher nur hauptsächlich von Häuptlingsburgen (Oppidum) aus wirtschaftlich starken Gebieten bekannt (z.B. Heuneburg bei Sigmaringen/B.W.). Es muß gezweifelt werden, dass in den damals unerschlossenen Gebiete des Hainich der Aufwand für solche Burgen betrieben wurde, selbst wenn die Bevölkerung die Bautechnik von ihren Keltischen Nachbarn gelernt hätte.
Es muß also gezweifelt werden, ob die Wallburgen des Hainich in keltisch-vorgermanischer Zeit entstanden. Sicher waren es keine ausgeklügelten Anlagen nach keltischer Art. Vielleicht waren es aber einfache Nachbauten durch die heimische Bevölkerung.


Exkurs - Fränkische Zeit im Hainich
Zu Beginn der fränkischen Zeit um 500 u.Z. herrschten in Thüringen die aus den elbgermanischen Hermunduren hervorgegangen Thüringer. Ihr starkes Königreich vom Harz bis an den Main war den Franken, damals am Rhein ansässig, ein Dorn im Auge. 531 vernichteten die Franken im Bund mit (Nieder-)Sachsen das Thüringer Heer. Thüringen mit Hainich wurde lose dem christliche fränkischen Reich eingegliedert, behielt aber bis ins 8.Jh. relative Selbständigkeit, auch in Glaubensfragen. Um 725 brachte Bonfatius im Schutz der Franken das Christentum nach Thüringen Die sagenhafte Fällung der Donareichen weist darauf hin, dass dies wohl nicht immer friedlich verlief. Im Werratal und an den Heeresstraßen entstanden fränkische Königshöfe wie Millingen/Creuzburg (Ersterwähnung 790) und Mihla (786). Waren das Machtzentren, von denen aus im selben Atemzug die fränkische Königsmacht und das Christentum durchgesetzt wurden? Waren die Fliehburgen des unwegsamen Hainich letzte Zufluchtsstätten thüringischer Heiden? Heiden, die getreu uralter germanischer Bräuche bei Eichen und Hainen den idealen Burgplatz wähnten?

Slawische und ungarische Einfälle
Zwar wird nach Grabungen in Sulzrieden / Berka vermutet, dass dort Slawen ansässig waren. Vermutlich waren es jedoch nach Westthüringen verschleppte Gefangene oder Sklaven aus dem germanisch-slawischen Grenzgebiet (Zeitraum Ende des 1.Jahrtausends) an der Saale (Zwangsarbeit zur Trockenlegung des "Riedes"). Ein nachhaltiges Vordringen bis in den Werra ist weder von Slawen noch von den Ungarn (933 durch König Heinrich an der Unstrut geschlagen) bekannt. Die Hainich-Befestigungen sind wohl nicht auf diesen Zusammenhang zurückführbar.


Exkurs - 14.Jahrhundert im Hainich
Drei starke Mächte standen sich im Hainich gegenüber: Nach der fränkischen Zeit hatten die erst Reichskloster Fulda und Hersfeld und dann das Erzbistum Mainz umfangreiche Besitzungen und Rechte in Raum südlich des Hainich. Das Eichsfeld bis Heyerode war ganz in "siegreicher" Mainzer Hand.
Nur Mühlhausen, bis zum 12.Jh. bedeutender Königsort, konnte als Freie Reichsstadt seine Unabhängigkeit wahren und wurde zur mächtigen Handelsstadt (220 qkm und 19 Dörfer, Handel bis England und Nowgorod). Im Laufe der Zeit dehnte Mühlhausen sein Territorium bis zum Kamm des Hainich aus.
Südlich des Hainich gewann seit dem 11.Jh. ein "Emporkömmling" an Raum: das Geschlecht der Ludowinger, ab 1130/31 Landgrafen von Thüringen. Sie und die Wettiner als ihre Nachfolger gewannen Schritt für Schritt Boden im Südhainichgebiet. Im Grafenkrieg 1342-46 geraten Landgraf und Mainzer aneinander, der Landgraf siegt. Nach dieser Niederlage ist der Erzbischof kaum noch in der Lage, seine Besitzungen am Südhainich durchzusetzen. So erzählt die Chronik , dass 1389 der Mainzer Vogt Hardenberg in Richtung Mihla einfällt. Blitzschnell (Frühwarnsystem?!) nimmt der landgräflichen Vogt der mächtigen Creuzburg die Verfolgung bis Dorla (Mainzer Zentrum) auf und nimmt dort den Mainzer Vogtes samt 60 Knechten gefangen.
Aus dieser kriegerischen Zeit sind mehrere Befestigungsanlagen des Hainich verbürgt: 1370 wird die Mühlhäuser Landwehr erwähnt, 1392 errichtet der Landgraf die Waldfeste Haineck, 1400 wird das Heyeröder Grenzhaus von den Mühlhäusern als Schutz gegen die "räuberischen Eichsfelder" erbaut, 1426 erstmals die Landwehr über den Fuchsberg bei Nazza erwähnt.


Landwehren des Hainichgebietes
Landwehren sind einfache, aber wirkungsvolle Sperranlagen im ländlichen Raum mit großer Ausdehnung.
Meist wird eine natürliche Geländestufe als Basis verwendet. Im Hainich sind das durch härtere Muschelkalkschichten gebildete Hangkanten. Diese Stufen wurden durch Lesesteinwälle erhöht. An der Böschung und auf dem Wall wurden Dornhecken wie Weißdorn und Schwarzdorn (Schlehe) gefördert. Hatten diese eine gewisse Höhe erreicht, wurden junge Triebe leicht geknickt, so dass sie sich ineinander verspießten, aber auch weiterwachsen konnten. Auf diese Weise entstand mit einfachen Mitteln eine schier undurchdringliche Barriere, nach der Behandlungsart der Hecken auch "Knick" oder "Geknick" genannt.
Natürlich waren solche Landwehren nicht unüberwindbar. Sie erschwerten ein Vordringen jedoch deutlich und ermöglichten Posten auf Ausguck ("Warte") die Entdeckung feindlicher Aktivitäten. Im Hainichgebiet finden wir 3 Landwehren.

Mühlhäuser Landgraben
Mächtigste Anlage, über Dutzende Kilometer. Er erstreckte sich einst von Heyerode über Eigenrieden, Bickenriede, Lengenfelder Warte, Eigenröder Warte bis Menteroda. Etwas unsicher ist, ob auch der nördliche Hainich einbezogen war (Warte an der Struppeiche). Damit bildete der Landgraben einen zum Eichsfeld geschlossenen Dreiviertelkreis von ca. 10 km Radius um seine Erbauerin Mühlhausen.
Die Warten (nur schwach befestigte Beobachtungsposten) lassen teilweise heute noch Spuren erkennen. Auch das bekannte Grenzhaus in Heyerode (ebenfalls durch Mühlhausen erbaut!) ist noch bestens erhalten und bewohnt.
Der Landgraben ist im Hainich nur auf den letzten Kilometern des Rennstieges kurz vor Eigenrieden erhalten. Direkt neben dem Wanderweg ist er zu besichtigen. Nördlich von Eigenrieden verläuft er gut sichtbar im offenen Gelände bis kurz vor Menteroda, wo er sich in der Mühlhäuser Hart verliert.
Die ca. 30 km Landgraben von Heyerode bis Menteroda können mit Mühlhauser Wanderführerkollegen im Programm des Naturparks oder individuell erkundet werden.

Schierschwender Landwehr
Auf der Hochfläche östlich von Schierschwende, noch etwa 1 km erkennbar, sperrte vermutlich den Zugang vom Mainzer Heyerode zum landgräflichen Werratal Richtung Mihla. Parallel zur Landwehr etwa 200 m in Richtung Heyerode und an der rechten Flanke verlaufen heute noch Flurgrenzen. Der Graben ist ersetzt durch eine Geländestufe mit steiler Böschung.

Nazzaer Landwehr
Auf der Hochfläche des Fuchsberges westlich von Nazza, noch etwa 0,7 km als reiner Heckenstreifen erkennbar. Keine Geländestufen, kein Graben erkennbar.
Sperrte ebenfalls den Zugang vom Mainzer Heyerode zum landgräflichen Werratal Richtung Mihla. Füllte die Lücke zwischen Schierschwender Landwehr und stark befestigtem Nazza-Hallunger Tal.


Adelsburgen im Hainich
Vom Adel errichtete Burgen kommen schon eher der landläufigen Vorstellung von Burgen entgegen. Im Fall der recht bekannten Ruine Haineck bei Nazza, einst vom Landgrafen erbaut, trifft dies auch weitgehend zu: Steinmauern, Türme, Burghof, hoch über dem Ort Nazza gelegen.
Bei zwei weiteren, fast unbekannten Adelsburgen bei Nazza im Hainich muss man aber seine Vorstellungen korrigieren. Vermutlich handelt es sich hier um sehr frühe Burganlagen des lokalen niederen Adels. Die ökonomische Kraft, vielleicht auch die verfügbare Bautechnik, reichten nicht aus, um große Steinburgen zu errichten. So reichten schon kleinere Bergvorsprünge als Bauplatz. Die Verbindung von Bergvorsprung und Bergrücken wurde durch einen tiefen Graben getrennt. Ganz noch dem Muster der französischen "Motte", die allerdings mehr aus dem Flachland stammt, wurde der Aushub auf dem Vorsprung kreisrund aufgehäuft und oben zu einer Ebene verfestigt. Dieser so entstandene erhöhte Platz hatte hier im Hainich nur etwa 10-15 m Durchmesser und war vermutlich mit Holzpalisaden umgeben. Ebenfalls kann vermutet werden, dass ein einfacher Holzturm zur Anlage gehörte.
Die Anlage war also mit einfachsten Mitteln gebaut und trotzdem gut zu verteidigen. Der Graben in Verbindung mit der Aufschüttung erreichte leicht eine Höhe von 5 m, zu der noch die Palisadenhöhe kam. Allerdings dürfte das Leben auf diesen kleinen Waldburgen alles andere als angenehm gewesen sein. Der "Burghof" war nicht größer als ein heutiges Wohnhaus und bot wohl höchstens Platz für kleinere Holzhütten. Selbst wenn Wirtschaftsgebäude und Ställe außerhalb lagen, war es wohl eher eng und gab nur Platz für wenige Bewaffnete.
Der mit dem Mittelalter aufkommenden Belagerungstechnik waren diese Burgen nicht gewachsen. Höchstens 20m vom relativ ebenen Bergrücken entfernt, konnte die Palisade leicht unter jeglichen Beschuß, auch durch Feuer, genommen werden.
Rainer Lämmerhirt vermutet, dass die Burgen kleinem, nur im Ort Nazza bedeutenden Landadel ("von Nazza") gehörten. Wirtschaftlich und militärisch ganz schwach, konnten sie den Großen der Region kein Paroli bieten. Spätestens mit dem Bau der Haineck war kein Platz mehr für diese "Herren von Nazza". Geschlecht und Burgen versanken in die Bedeutungslosigkeit.

Die "Alte Burg"
Schon der Name verrät etwas von Ihrer Geschichte. Westlich von Nazza auf dem Bergrand nur 1 km Luftlinie von der Haineck gelegen, muss sie einfach die alte Burg im Gegensatz zur "neuen" Haineck sein.
Die Alte Burg ist im Erdbau noch recht gut zu erkennen. Der Graben ist noch tief und immer noch schwer zu erklimmen. Das Plateau ist gut zu erkennen, ebenso die Vorburg in Richtung Bergspitze. Auf 3 Seiten geht es steil bergab.
Die Alte Burg wurde vor Jahren mit Wegmarkierungen versehen. Übrigens gibt es wieder wehrhafte Ritter als Dauerbewohner: Ein Dachsbau durchzieht das aufgeschüttete Plateau.

Die Burg am Teufelskopf
Fast unbekannt ist dieser historische Ort. Nur ein paar Waldarbeiter machen sich dort manchmal ihrer Spaß. Auch diese Burg liegt nur 1 km Luftlinie von der Haineck gelegen, allerdings in nördlicher Richtung. Auch sie dürfte spätestens nach Errichtung der Haineck bedeutungslos geworden sein.
Der Bergsporn des Teufelskopfes ist nicht so prägnant wie der der "Alten Burg". Deshalb wurden auch an der Bergspitze kleinere Gräben angelegt. Der Graben ist ebenfalls nicht allzu tief. Trotzdem kann man alle Merkmale der allgemeinen Beschreibung gut erkennen.

Wie man hört, war die Burg und das Leben im Wald seinerzeit ihrem letztem Herrn sehr ans Herz gewachsen. Und so brach es ihm dasselbe, als ihm der mächtige Landgraf aus dem fernen Eisenach die Haineck vor die Nase setze. Als der Ritter vom Teufelskopf dann fortziehen musste, ließ er sein gebrochenes Herz am lieb gewordenen Ort zurück. Und dort ist es heute noch zu finden.
2004 Hainichwanderer

nach oben     home