Elsbeere - der unbekannte Baum
Elsbeere, (Sorbus torminalis Crantz), Familie der Rosengewächse, Unterfamilie der Kernobstgewächse, Gattung der Ebereschen (Sorbus). Andere Namen: Ruhrbirne, Atlasbaum, Arisbeere, Arlesbeere, Elzbeere, Schweizer Birnbaum, Wilder Sperberbaum bekannt.

Dass es im deutschen Wald einen wilden Baum geben soll, der "Elsbeere" heißt, stößt oft auf ungläubiges Staunen. Hainichwanderer können den Baum mit ein wenig Aufmerksamkeit oder kundigem Führer jedoch selbst in Anschein nehmen und auch "begreifen". Der Nationalpark in der Mitte Deutschlands auf dem Weg zum Urwald ist bekannt für sein starkes Elsbeervorkommen.


 Elsbeere mit Früchten Elsbeere
Sommergrüner, in der breiten Bevölkerung kaum bekannter Laubbaum, 15-20 m, Rinde bzw. im Alter rissige Borke ist asch-grau bis schwarzwirkend, fällt oft als dunkelster Stamm in Waldgesellschaften auf. Blatt bis 7cm, Form ahornartig, die unteren 2 "Finger" sind jedoch weiter abgesetzt. Die leuchtend orangerote Herbstfärbung setzt etwa in der Mitte der Laubfallperiode ein. Blüten sind weiße Doldenrispen. Früchte etwa olivengroß und birnenförmig, erst grün später braun, reifen im September bis Oktober.

Verbreitung: Wird dem mittel- bis südeuropäischen Florenraum zugerechnet, wächst aber auch bis in den Kaukasus und in Nordafrika. In Mitteleuropa bevorzugt auf kalkreichen Böden des warmen Hügellandes. Schwerpunkt ihrer Verbreitung nördlich der Alpen ist das östliche Frankreich und die Schweiz ("Schweizer Birnbaum").

Der Elsbeere wird ein breites Spektrum verträglicher Lebensbedingungen zugeschrieben, sie ist jedoch allgemein konkurrenzschwach und weicht dann auf wärmere wechselfeuchte oder wechseltrockene basische Standorte aus, ohne daran gebunden zu sein. Einzelstehend freigehalten soll sie sich zu stärkeren und breiteren Individuen entwickeln, tritt jedoch meist in unterdrückter Form schlank, bereits früh in kräftige Seitentriebe verzweigend auf und erreicht praktisch nie die Höhe umstehender anderer Arten.


 typische Form und Herbstfärbung Elsbeere in der Hainich-Werra-Region
Im Nationalpark und einigen kleineren Naturschutzgebieten des Werratals wird die Elsbeere besonders erwähnt. Sie hat hier als eigentlich südlicherer Baum ein starkes, charakteristisches Vorkommen. Siegfried Klaus schreibt im 1993er "Nationalpark Hainich"-Buch, dort die stärksten Elsbeeren Thüringens vorgefunden zu haben.
Im aus Muschelkalk bestehenden Hainich nimmt das Vorkommen der Elsbeere von submaritimen feuchten Westen zum subkontinentalen trockneren Osten hin zu. Am Westhang des Hainich und im Werratal steht die Elsbeere häufig in Gebüschstreifen des Offenlandes bzw. an steilen Hängen, wo die Buche keinen Fuß fasst. Auch auf den dem Kamm vorgelagerten Bergköpfen ist sie punktuell stark vertreten, wohl weil hier starke Konkurrenten wegen Wind-, Boden- und Steilhangverhältnissen nicht so flächendeckend sind. Am Kamm des Hainich (dem "Rennstieg") ist die Elsbeere eher selten, während sie am östlichen Rand des Hainichwaldes, schon fast im Thüringer Becken, in reicher Anzahl zusammen mit Eichen und Linden auftritt. Besonders zu nennen sind die Gebiete um die Thiemsburg und Weberstädt.



 Elsbeerenstamm Vom Nutzen
Hoher forstwirtschaftlicher Wert: Erzielt in den letzten Jahren noch zunehmende Spitzenpreise als Furnierholz. Nachfolgend einige Werte als Beispiele:

13. Thüringer Laubholzsubmission am 8. Januar 2004 vom Forstamt Kranichfeld: 23 Forstämter aus Thüringen sowie vier Forstämter aus Sachsen-Anhalt bieten insgesamt rund 2.500 (2003: 2.100) fm Laubholz und Lärche. (Quelle: www.euwid-holz.de )

Durchschnittserlös über alle Baumarten und Sortimente bei 240 (228) /fm. Die Erwartungen der Veranstalter wurden damit übertroffen.

Durchschnittserlöse (auf gesamtes Angebot einer Art berechnet):
Elsbeere 561 Eur/fm steigend,

Zum Vergleich:
Nussbaum 885 Eur/fm
Stieleiche 305 Eur/fm
Bergahorn 280 Eur/fm sinkend,
Roteiche 229 Eur/fm
Spitzahorn 169 Eur/fm
Ulme 169 Eur/fm
Erle 168 Eur/fm
Lärche 150 Eur/fm steigend,
Kirsche 125 Eur/fm
Linde 124 Eur/fm steigend,
Esche 121 Eur/fm sinkend,
Buche 105 Eur/fm sinkend
Hainbuche 92 Eur/fm sinkend,
Birke 75 Eur/fm sinkend,


Spitzenwerte einzelner Stämme:
Bergahorn 8.059 Eur/fm, Elsbeere 3.609 Eur/fm, Nussbaum 2.246 Eur/fm

Weiteres Beispiel:
1997 Submission in Sailershausen: Spitzenerlös von 20.109 DM/fm für einen Stamm aus dem Universitätsforstamt Würzburg mit 1,53 fm (Stammlänge 6m, Mitteldurchmesser 57 cm o.R) Durchschnittspreis dieser Elsbeer-Submission lag bei 6288 DM/fm
1998 Holzpreisstatistik der Bayerischen Staatsforstverwaltung: durchschnittlicher Erlös von 2222 DM/fm
(Quelle: www.lwf.bayern.de


Holzverarbeitung
Holz: kirschähnlich rötlich, wegen Farbe und Zeichnung vor allem als Furnier geschätzt, weitere Verwendungen aufgrund der Biegsamkeit, Elastizität und guten Polierbarkeit für Messinstrumente, Musikinstrumente, Maßstäbe, Maschinenteile und Drechslerarbeiten. Ein Meisterstück im wahrsten Sinne des Wortes ist bei Tischlerei Fiedler im eichsfeldischen Dingelstädt zu bestaunen. Tischlermeister Fiedler entwarf und baute für seine Meisterprüfung dieses Wohnzimmermöbel mit Elsbeerfurnier, an dem die edle, warme Wirkung des Elsbeerfurniers gut zu erkennen ist. (Quelle: www.tischler-fiedler.de


 Meisterstück von Andre Brand - Tischlerei Fiedler
Meisterstück Andre Brand - Tischlerei Fiedler
Massivholzmöbel mit gebogenen Fronten
Material Elsbeere ( Schweizer Birnbaum )


Die Beeren
Die Früchte sind erst nach Frost genießbar. Österreichische Genießer destillieren aus Elsbeeren in mühevoller Arbeit einen Schnaps, den sie als "Königin der Obstbrände" bezeichnen. Mühe und Qualität haben ihren Preis: 0,35 l kosten 73 Eur.
(Quelle: www.elsbeere.at)



Ein wahrhaft edler Tropfen. Ein wahrhaft edles Holz. Ein wahrhaft edler Baum. Gar nicht mehr so unbekannt. Im Hainich können wir ihn begreifen...
2004 Hainichwanderer

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